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Stollenhelden-Blog

Der ewige Konflikt im Kinderfußball: Eltern vs. Trainer

Der ewige Konflikt im Kinderfußball: Eltern vs. Trainer

Blogbeitrag von
Michele!

Den letzten Blogbeitrag dieses Jahres möchte ich einem guten Vorsatz widmen: Dem Vorsatz, dass wir Fußballeltern mit den Trainern unserer Nachwuchskicker an einem Strang ziehen. Dass wir uns nicht über verlorene Spiele, verschossene Elfmeter oder zu kurze Einsatzzeiten streiten, sondern gemeinsam für ein Hobby brennen, eine offene Kommunikation pflegen und das Interesse an der positiven Entwicklung unserer Kinder teilen. Viel zu oft ist das Verhältnis zwischen Jugendtrainern und den Eltern ihrer Schützlinge geprägt von Konflikten und Diskussionen: Alle meinen zu wissen, was das Beste fürs Kind ist und vergessen bisweilen darüber, dass wir hier immer noch über Kinderfußball reden.

Wenn der Vater auch Trainer ist

Wenn es um das Spannungsfeld „Eltern vs. Trainer“ geht, schreibe ich aus einer ganz besonderen Perspektive, denn mein Mann ist in Personalunion Vater und Trainer unseres Mini-Messis. Das ist toll, weil die beiden die Leidenschaft für den Kinderfußball teilen und viel mehr Freizeit miteinander verbringen als andere Vater-Sohn-Teams. Das ist aber auch oft genug schwierig, weil die Rollen fließend ineinander übergehen: Bei uns wird beispielsweise auch noch zuhause diskutiert, warum mein Sohn ausgewechselt wurde oder warum jemand anderes den Freistoß aus aussichtsreicher Position schießen durfte. Meinem Mann beschert die Doppelrolle außerdem so etwas wie einen permanenten Interessenskonflikt: Entweder heißt es, er würde seinen eigenen Sohn bevorzugen oder aber mein Nachwuchskicker hat es schwieriger als seine Teamkameraden, ihn zu überzeugen. Letztlich ist das aber nur ein Nebenschauplatz: Viel zeit- und nervenraubender sind für meinen Mann und seine Jugendtrainerkollegen die Konflikte und Diskussionen mit den Eltern ihrer Nachwuchsspieler. Kinderfußball

Kritik muss erlaubt sein – wenn sie offen und konstruktiv ist

Es ist ja sonnenklar, dass wir Eltern erst einmal die Interessen und das Glück unserer eigenen Kinder im Blick haben. Natürlich wünschen wir uns alle, dass unsere Kinder spielen, dass sie Spaß an ihrem Hobby haben und dass sie persönliche Erfolgserlebnisse verbuchen. Genauso normal ist es in meinen Augen, dass wir Eltern nicht immer gut finden, wie andere Erwachsene mit unseren Kids umgehen. Das gilt für die Lehrer in der Schule, die Leiter in der Jugendgruppe und auch für die Trainer im Fußballverein. Man muss nicht immer einer Meinung sein – aber man sollte eine offene Gesprächskultur haben. Das bedeutet: Dinge offen ansprechen, die einem als Eltern oder dem Kind nicht gefallen und das am besten persönlich und mit dem Ziel, eine gemeinschaftliche Lösung zu finden.

Heimliche Gruppenchats und Schreierei am Spielfeldrand

Wenig hilfreich sind hingegen Lästereien in geschlossenen Eltern-WhatsApp-Gruppen – und trotzdem haben unsere Trainer genau mit diesem Phänomen zu kämpfen. Dort wird über Trainingsmethoden, Aufstellung und Taktik genauso „diskutiert“ wie über die falsche und richtige Ansprache der Kinder durch die Trainer. Wenn ich so etwas mitbekomme, frage ich mich immer, wie die betreffenden Eltern so jemals etwas ändern möchten und vor allem, was für ein Vorbild sie da gerade abgeben. „Offen“, aber wenig konstruktiv sind die Kandidaten, die ihre Kritik lauthals äußern – für jedermanns Ohren und während des Spiels am Spielfeldrand. Wenn es gut läuft, ruft diese Eltern-Spezies „nur“ eigene Anweisungen in Richtung Platz. Oft genug läuft es jedoch schlecht und die Hobby-Coaches stellen die Kompetenz des Trainers ganz grundsätzlich in wenig netten Worten in Frage.

Dass schreiende Erwachsene nichts am Kinder-Fußballplatz zu suchen haben, gilt aber natürlich auch für die Trainer: Über die leider immer noch nicht ganz ausgestorbenen Choleriker unter ihnen hat sich mein Mit-Blogger Max ja schon einmal ausführlicher geäußert. Ich glaube, Negativ-Beispiele kennen alle Fußball-Eltern aus ihrem eigenen Alltag zu genüge, deswegen will ich darauf gar nicht länger rumreiten. Die Frage, die ich mir stelle: Wie ändern wir etwas?

Vom Gegeneinander zum Miteinander

Ich glaube an die Macht von Transparenz und an klare Zuständigkeiten auf beiden Seiten Eltern sollten dem Trainer gegenüber offen sein und ihm auch ruhig erzählen, wenn es in der Familie Sorgen gibt oder in der Schule gerade nicht so gut läuft. Nur dann kann auch der Trainer einschätzen, warum sein Spieler bei einem verschossenen Elfer im Training plötzlich in Tränen ausbricht. Das bedeutet aber nicht, dass Eltern ihre Verantwortung abwälzen und dem Trainer die Aufgabe in die Hand geben, das Kind zu erziehen. Kürzlich beobachtete ich beispielsweise vom Spielfeldrand aus, dass mein Sohn nach dem Spiel nicht beim Schiedsrichter einschlug. Auf dem Platz habe ich mich dann bewusst zurückgehalten, denn hier ist es in meinen Augen Trainersache, auf mangelndes Fair Play hinzuweisen. Ein paar private Worte zu diesem Thema habe ich dann aber trotzdem noch auf dem Heimweg ergänzt. Erziehung und das Thema Höflichkeit sehe ich nämlich nach wie vor als meine Zuständigkeit.

Ich glaube, es kann ganz einfach sein, zu einem konstruktiven Miteinander zu finden, wenn alle Beteiligten nur wollen. Eltern und Trainer sollten an einem Strang ziehen, wenn es um die Entwicklung der Kinder geht. Was ich mir wünsche, ist eine gute Zusammenarbeit, bei der konstruktive Kritik offen und ehrlich geäußert werden kann, ohne dem Trainer in seine Arbeit zu pfuschen. Daran mitzuarbeiten, ist mein persönlicher Fußballvorsatz für 2017 – vielleicht halten sich außer mir ja noch ein paar andere daran!