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Stollenhelden-Blog

Ein Hans Sarpei kommt nicht von allein

Ein Hans Sarpei kommt nicht von allein

Im Nachhinein ist mein Erfolg für mich ganz gut erklärbar. Für mich hat Erfolg mit Arbeit zu tun. Grundsätzlich war die Arbeit an mir ja auch ganz gut. Wäre ich sonst wie Chuck Norris geworden? Nein! Chuck und ich sehen vier Eigenschaften, die uns zu gestandenen und selbstbewussten Profis gemacht haben: Fleiß, Ehrgeiz, Respekt und Disziplin. Und ihr könnte mir glauben: Hans Sarpei gefällt das nicht! Ich hatte mir das einfacher vorgestellt, irgendwie spielerischer. Der Verein, den ich 2011 im Alleingang gegen den FC Bayern München ins Finale des DFB-Pokals spielte, dem gefiel das umso besser. Es passte einfach in die BILD. Schalke 04 ist nun mal ein Arbeiterverein. Und wer sich da nur auf sein Talent und die Fähigkeit, seine eigenen Elfer zu halten verlässt, der wird halt kein gestandener Profi. Da muss mehr kommen, zumindest hat mir Felix Magath das immer gesagt, bevor er mich in die zweite Mannschaft strafversetzte, weil ich seiner Ansicht nach zu wenig (ZU WENIG???) trainierte. Aber das ist eine andere Geschichte. Außerdem haben viele Jungs Talent, das ist aber nur die Voraussetzung wie Hans Sarpei zu werden. Allerdings kam auch ich über Umwege zum Ziel. Als ich drei Jahre alt war, kamen meine Eltern mit mir aus Ghana in einen einschlägig bekannten Kölner Vorort.

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Mit Ehrgeiz und Respekt zum Straßenkicker

Bei uns in Chorweiler war Fußball damals etwas, was wir Kids auf der Straße spielten. Seit ich mich erinnern kann, war mein Ehrgeiz immer da. Außerdem hatte ich immer Bock aufs Kicken. Schon auf dem Schulweg übten die Jungs mit dem Ball eine große Anziehungskraft auf mich aus. Aber da ging es zur Sache. Da muss man sich durchbeißen. Die Älteren forderten Respekt und dennoch musste man selbstbewusst sein. Das war meine liebste Hans-Sarpei-Schule. Eine, in die ich gern ging. Waren meine Eltern weg, überließ ich die Hausaufgaben ihrem Schicksal und ging direkt zum Bolzen raus. Irgendwann bin ich mit meinen Straßenkicker-Kumpels dann zum Verein um die Ecke gegangen. Beim SV Fühlingen-Chorweiler liegen die fußballerischen Wurzeln meiner legendären neun Bundesligaspiele für Schalke 04. Aber schon damals kapierte ich, dass die ganze Sache mit dem Ball mit Arbeit verbunden war. Beim CfB Ford Niehl machte ich meinen nächsten Schritt. Der war allerdings auch mit Schweiß verbunden. Das höhere spielerische Niveau machte dem jungen Hans zu schaffen, ich gewann natürlich trotzdem gegen mich.

Selbstbewusstsein, Fleiß, Ehrgeiz, Respekt und Disziplin – das ist das Erfolgsrezept von Ex-Fußballprofi Hans Sarpei.

Souverän - was auch sonst?

Auch neben dem Platz. Nach dem Abitur sicherte ich meine berufliche Karriere wie einst den Strafraum von Schalke 04. Selbst mir kann im Fußball viel passieren. Eine schwere Verletzung und das Spiel ist aus. Ich dachte smart: Eine abgeschlossene Ausbildung ist immer ein sicheres zweites Standbein. Bayer gab mir die Möglichkeit und ich nahm sie dankend an. Diesen „nächsten Schritt“ habe ich übrigens bis heute nicht bereut. Aber das war auch eine anstrengende Zeit zwischen Ausbildung und Training. Ich musste mich echt disziplinieren und fleißig sein, aber ich blieb am Ball. Mit mehr oder weniger langen Gastspielen in Mühlheim, Siegburg und zuletzt beim VfL Rheinbach machte ich meinen Weg durch die Fußballregion rund um Köln. Heute läuft das anders, die Jungs unterschreiben am 18. Geburtstag ihre ersten Profiverträge. Die Berater sind dann schon sechs Jahre um sie herum. Nach heutigen Maßstäben wurde ich mit 23 Jahren erst spät zum Profi. Aber da ich noch heute Liegestütze ohne Arme beherrsche, fällt das niemandem auf. Jede Station hat seinen Sinn, man wächst hinein und lernt überall etwas dazu. Aber manchmal stagniert die Karriere auch, weil das neu Erlernte erst mal verarbeitet werden muss. In solchen Phasen geht es wieder einmal nur über hartes Training weiter. Mich haben diese Phasen auch menschlich vorangebracht.

Sich etwas zutrauen, aber auch von anderen etwas zugetraut bekommen, das mobilisierte Hans Sarpeis innere Reserven.

Hans Fortuna Sarpei

Hans im Glück. Die Fortuna aus Köln forcierte den Wechsel vom VfL Rheinbach und erstmalig trainierte ich unter Profibedingungen. Ein Traum wurde wahr. Es war übrigens kein Geringer als der heutige Vizepräsident des 1. FC Köln, Toni Schumacher, der mir die zweite Liga zutraute. Trifft man auf Menschen, die einem etwas zutrauen, dann mobilisiert das innere Reserven. Zumindest bei mir funktioniert das so. Auch von daher war Fortuna Köln die wichtigste Station in meiner Karriere. Dort bekam ich die erste Chance meines Lebens. Später habe ich noch Hunderte davon versiebt, aber das ist eine andere Geschichte. Die Fortuna war damals die klare Nummer Zwei in der Domstadt und ein fester Bestandteil der zweiten Bundesliga. Bei Fortuna war alles ein bisschen größer, professioneller und verrückter als in der Fußball-Provinz. Wir passten ganz einfach zusammen. Es war eine wunderbare Zeit, die in einem weiteren persönlichen Karrierehighlight gipfelte, nämlich meinem ersten Länderspiel für Ghana. Das war am 8. Oktober 2000.

Von Köln-Chorweiler zum FC Schalke 04 und in die Nationalmannschaft – Hans Sarpei hat es geschafft!

Hans Sarpei, ein Wort:

Ich könnte auch Fleiß Ehrgeiz oder Respekt Disziplin heißen. Was für mich gilt, zählt auch für Messi. Da sind wir alle gleich. Ein Selbstläufer, wie ich einst auf dem Platz, war mein Weg dahin nicht. Heute dreht sich auch das „Geschäft“ mit den jungen Spielern immer schneller. Scouts und Berater bemühen sich bereits um U13 Spieler. Das alles macht eine Entdeckung vielleicht wahrscheinlicher, aber am Ende ist Hans Sarpei nicht einfach nur ein Name, Hans Sarpei ist eine Lebenseinstellung und auf die kommt es an.

Tut nichts, was ich nicht auch tun würde. Obwohl....

Euer Hans