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Stollenhelden-Blog

Fußball contra Schule: Fußballverbot bei schlechten Noten?

Fußball contra Schule: Fußballverbot bei schlechten Noten?

Blogbeitrag von
Michele!

Das neue Schuljahr hat in vielen Bundesländern bereits begonnen und damit auch die ewige Diskussion, wie unsere Nachwuchskicker Fußball und Schule am besten unter einen Hut bekommen. In der Mannschaft meines E-Junioren hat das Thema schon für bittere Tränen gesorgt: Insbesondere in der heißen Phase jedes Schuljahres greifen nämlich ziemlich viele Eltern zum „Fußballverbot“, wenn die Schulnoten ihrer Kinder in die Abstiegszone rutschen. Klar, der Jugendfußball frisst Zeit, die den Kids nicht zum Lernen zur Verfügung steht: Bei uns sind es mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche, dazu kommen die Fahrtzeiten und fast jedes Wochenende ein Spiel oder Turnier. Trotzdem glaube ich nicht daran, dass es den Kindern und ihren schulischen Leistungen hilft, ihnen ihr liebstes Hobby zu nehmen. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, dass der Fußball ein wichtiger Ausgleich ist, der ihnen gut tut und sie letztlich auch in der Schule besser macht. Max Kruse ist schließlich auch nur deshalb so ein erfolgreicher Pokerspieler, weil er beim Fußball gelernt hat, sich zu konzentrieren.

Jugendfußball und Schule? Für viele Eltern stellt sich die Frage, ob ihr Kind beiden Herausforderungen gewachsen ist.

Sogar die Schule will, dass unsere Kinder Fußball spielen

Mein Junge braucht seinen Sport, um sich auszupowern und um den Kopf frei zu bekommen. Auch körperlich ist der Fußball für ihn der perfekte Ausgleich zum stundenlangen Sitzen in der Schule. Unsere Schule hat die Unterrichtszeiten ganz bewusst so gestaltet, dass nachmittags noch Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt. Der Unterstufenkoordinator hat uns schon beim ersten Gespräch gesagt, dass es der Schule ein echtes Anliegen ist, dass die Kinder einen Ausgleich haben und „nachmittags auch mal gegen den Ball treten“. Ich kenne genug Fälle, wo die Kinder gegen alles Mögliche treten. Solange Bälle dazugehören, ist man als Mutter doch auf der sonnigen Seite. Meinem Sohn muss ich das natürlich nicht zweimal sagen und für mich war es ein echtes Argument, ihn an dieser Schule anzumelden.

Bolzen statt Büffeln

Ich bin in der glücklichen Situation, dass meinem Sohn die Schule ohnehin nicht sehr schwer fällt. Aber selbst, wenn er ein schwacher Schüler wäre: Ich glaube nicht, dass er besser würde, wenn er weitere 90 Minuten Vokabeln lernt anstatt zum Training zu gehen. Irgendwann ist der Kanal einfach voll und dann geht auch keine Vokabel mehr in den Kopf. Wenn mein E-Junior bis zum Training nicht mit den Hausaufgaben fertig ist, erledigt er den Rest eben danach. Die Auszeit auf dem Fußballplatz macht ihn ausgeglichener und gibt ihm neue Energie, um sich abends noch einmal an den Schreibtisch zu setzen.

Kinder, die Mathe ohnehin schon hassen, werden kaum eine bessere Einstellung zum Pauken bekommen, wenn dieses Fach auch noch daran schuld ist, dass sie auf ihr liebstes Hobby verzichten müssen. Ein Fußballverbot als Sanktion zu nutzen, würde bei uns zuhause nur Stress und Unzufriedenheit auf allen Seiten bedeuten. Hinzu kommt, dass ich es auch nicht als mannschaftsdienlich empfinde, wenn die Kinder aus der Gemeinschaft gerissen werden, um für die Schule zu büffeln. Und wenn der Jugendfußball bei uns für eins sorgen soll, dann für ein positives Sozialverhalten.

Mehr Sport für bessere Schulnoten

Sogar die Wissenschaft bestätigt, dass ich mit meinem Ansatz hoffentlich nicht ganz falsch liege: Verschiedene Studien kommen auf jeden Fall zu dem Ergebnis, dass mehr Bewegung die schulischen Leistungen von Kindern verbessern kann. Andere Studien deuten allerdings darauf hin, dass Kopfbälle eine größere Bedrohung für die kognitive Entwicklung haben, als bisher angenommen. Hier ist der Beweis:

Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit. Ich rate zur Vorsicht, denn letztlich ist die Schule wichtiger als der Fußball. Ein Kopfball-Ungeheuer kann man auch noch werden, wenn man die 9. Klasse erreicht hat. Natürlich sind meine persönlichen Erfahrungen nicht auf jedes Kind und jede Familie übertragbar. Ich glaube aber fest daran, dass Fußball und Schule kein Derby sind. Sie stehen nicht zueinander wie Dortmund und Schalke oder wie Gladbach und Köln. Für mich geht es nicht darum, Spaß gegen Ernst aufzurechnen, sondern meinen Spielersohn so zu beraten und positiv zu bestärken, dass er auf beiden Spielfeldern motiviert am Ball bleibt.