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Stollenhelden-Blog

Gemischter Doppelpass: Mädchen in der Jungenmannschaft

Gemischter Doppelpass: Mädchen in der Jungenmannschaft

Blogbeitrag von
Michele!

„Du spielst ja wie ein Mädchen!“ – diesen Spruch hört man im Team meines Sohns schon lange nicht mehr. Die Jungs haben nämlich in den letzten zwei Jahren am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, auch mal von einer Mannschaftskollegin nass gemacht zu werden. In unserem kleinen Verein sind Mädchen immer noch die Ausnahme und da wir nie genug Anmeldungen für eine eigene Mädchen-Abteilung zusammenbekommen, kicken sie einfach in den Teams der Jungs mit – zumindest bis zur D-Jugend. Diese Regelung ist aber nicht nur eine Notlösung, sondern sogar vom DFB so gewollt: Schließlich profitiert der weibliche Nachwuchs davon, lange Zeit mit den Jungs zu trainieren und zu spielen. Das gilt besonders für die leistungsstarken und talentierten Mädchen, die ambitioniert spielen wollen.

Allein unter Jungs und voll akzeptiert

Das einzige Mädchen in der Mannschaft meines Nachwuchskickers hat sich vor wenigen Wochen dazu entschlossen, erst einmal mit dem Fußball aufzuhören. Leider, denn nicht nur sie hat von der Herausforderung profitiert, mit und gegen die Jungs zu spielen, sondern es tat es auch dem Mannschaftsgefüge gut, das sie dabei war. Sie wurde von den Jungs voll akzeptiert und war ein fester Bestandteil des Teams: gleiche Regeln für alle, gleiche Trainingseinheiten für alle und auch die gleichen Aktivitäten außerhalb des Platzes für alle – Übernachtung im selben Schlafsaal wie die Jungs inklusive. Die einzige Sonderregel: Das Mädchen hat zuletzt verständlicherweise nicht mehr die gleiche Umkleidekabine genutzt wie ihre Mannschaftskameraden.

„Man foult keine Mädchen“

Mannschaftsintern lief also alles völlig glatt, aber der mütterliche Blick von außen erkannte schon, dass der weibliche Teamkamerad immer wieder Sonderbehandlungen über sich ergehen lassen musste. In meinen Augen gibt es zwei Fraktionen. Zur ersten Gruppe gehört mein Sohn: Gefragt, wie er es findet, gegen Mädchen zu spielen, gab er zu Protokoll, es sei schon etwas komisch und er spiele dann nicht so „hart“. Vom Spielfeldrand konnte ich öfter beobachten, dass auch andere Nachwuchskicker auf körperliches Spiel oder Fouls gegenüber Mädchen eher verzichten. Einmal hab ich mitbekommen wie unsere D-Juniorin im Training doch gefoult wurde und dann hagelte es gleich den Kommentar: „Alter, das ist doch ein Mädchen: Man foult keine Mädchen!“

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„Sie will bei uns mithalten? Das wollen wir doch mal sehen!“

Das bedeutet aber auf keinen Fall, dass es Mädchen in Jungsmannschaften besonders leicht hätten, denn da gibt es auch noch die zweite Gruppe von männlichen Mitspielern. Diese kicken nach dem Motto „Das Mädchen will bei uns mithalten? Das wollen wir doch mal sehen!“. Für diese Jungs zählt vor allem Leistung und sie sind besonders motiviert, den Mädchen den Schneid abzukaufen. In der Mischung gleichen sich die Extreme wieder irgendwie aus, aber der geschlechterübergreifende Konkurrenzkampf ist nicht ohne! Jedem Mädchen, das sich in einer männlichen Mannschaft behauptet und durchsetzt, gebührt daher in meinen Augen eine gehörige Portion Respekt!

Wenn sich die Wege trennen

Je jünger die Kinder sind, desto kleiner die körperlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. In der D-Jugend zeigte sich dann aber schon recht deutlich, dass sich die Jungs in Sachen Physis und Dynamik anders entwickeln als ihre weibliche Mitspielerin. Ich halte es daher für absolut sinnvoll, dass sich die Wege von Jungs und Mädchen im Teenageralter trennen – auch wenn für viele Spielerinnen damit ganz neue Probleme verbunden sind. Für viele ambitionierte Talente, die dem Fußball treu bleiben möchten, ist es schwierig, einen passenden Verein mit eigener Frauenfußball-Abteilung in der Nähe ihres Wohnorts zu finden. Und selbst wenn sie einen Club finden, stehen sie meist vor der Herausforderung, dass die Ligen räumlich so weit gefasst sind, dass Auswärtsspiele immer ewig lange Fahrten bedeuten.

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Für zu viele Mädchen ist das Abenteuer Fußball daher schon als Teenie beendet. Aber auch für das Gegenteil haben wir ein Beispiel bei uns im Verein: Vor einiger Zeit spielte ein Mädchen bei uns im Club, das so gut war, dass sie direkt aus dem Training mit ihren Jungs in eine reine Mädchenmannschaft gescoutet wurde und dort nun sehr erfolgreich unterwegs ist. Ich glaube, dass im Frauenfußball in Deutschland immer noch eine Menge Luft nach oben ist und in meinen Augen leisten die Vereine einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung, indem sie ihre Jugendmannschaften für beide Geschlechter offen halten. Im Sinne der Frauenpower hoffe ich, dass das noch lange so bleibt!