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Stollenhelden-Blog

Heldenverehrung gestern und heute: Fußball-Vorbilder im Wandel der Zeit

Heldenverehrung gestern und heute: Fußball-Vorbilder im Wandel der Zeit

Blogbeitrag von
Michele!

Er würde es niemals zugeben, aber ich glaube, ein bisschen neidisch war der Opa meines Nachwuchskickers schon, als ihm mein Sohn neulich sein nigelnagelneues Paul Pogba-Trikot präsentierte. Und die dazu passende Hose. Und die dazu passenden Stutzen. Der gerne ausgefallen frisierte Franzose ist momentan der absolute Lieblingskicker meines Sohns und für ihn ist es nur logisch, alles dafür zu geben, im gleichen Outfit aufzulaufen wie sein großes Vorbild. Wie anders das noch vor ein paar Jahrzehnten war, wurde mir so richtig deutlich, als der Opa bewundernd bis staunend anmerkte: „Toll! So etwas gab es bei uns früher nicht!“

Opa, der Selfmade-Fan

Zu Opas Zeiten konnte sich niemand das Trikot seines Lieblingsspielers kaufen. Als er meinem Sohn berichtete, dass er sich stattdessen das Wappen seines favorisierten Vereins einfach selbst auf ein T-Shirt genäht hat, machte dieser erst einmal große Augen. Da, wo bei uns BRAVO Sport-Poster und -Starschnitte die Wände pflastern, hing in Opas Kinderzimmer vielleicht mal ein ausgeschnittener Zeitungsartikel vom letzten Derbysieg an der Wand – aber das war es auch schon. Keine Fanartikel, keine teuren Schuhe, keine Originaltrikots – kein Kommerz. War Opa deswegen weiter von seinen Idolen entfernt als sein Enkel? Gefühlt sicherlich.

Jugendfußball Vorbilder Generationen

Nähe zu den Vorbildern gestern und heute

Während es bei Opa und seinen Freunden noch lange nicht selbstverständlich war, dass man überhaupt einen Fernseher im Haus hatte, um sich die Spiele anzuschauen, folgen die Kinder ihren Stars heute auf Schritt und Tritt – zumindest auf Instagram, Facebook & Co.. Mein Sohn und seine Freunde können problemlos Stunden damit zubringen, sich die besten Tore und Tricks ihrer Stars auf YouTube reinzuziehen. Anschließend spielen sie die besten Szenen nach – entweder draußen auf dem Platz im Originaltrikot oder aber an der Konsole mit der lebensecht anmutenden 3D-Figur ihres Idols. Die gefühlte Nähe zu ihren Vorbildern ist dementsprechend sehr hoch, aber was davon ist echt? Und verhalten sich die Stars angesichts des medialen Dauerfeuers überhaupt noch authentisch? Der Opa hat seine Idole zwar deutlich seltener erlebt, aber manchmal denke ich, dass sie dafür unverstellter und greifbarer waren – Vorbilder zum Anfassen und Nacheifern eben.

Von Werten, die zählen: früher war mehr Kampf

Greifbarer waren sie auch allein schon deswegen, weil man an ihnen andere Qualitäten schätze. Das wird besonders deutlich, wenn heute Sohn, Vater und Opa zusammen auf der Couch sitzen und ein Spiel im Fernsehen schauen. Bei Opa zählen dann vor allem Leidenschaft, Einsatzwillen und Kampfgeist. Er will guten Fußball sehen, ganz ohne Showeinlagen. Das sieht bei meinem Sohn schon ganz anders aus: Auf die Allüren eines Christiano Ronaldo steht er zwar auch nicht gerade, aber für ihn sind die Fußballschuhe, Frisuren und Outfits der Stars schon ein wichtiges Thema. Ich gehöre ganz sicher nicht zu denen, die sagen „früher war alles besser“, aber manchmal würde ich mir schon wünschen, dass bei den Vorbildern wieder mehr zählt, was auf dem Platz passiert anstatt das Verhalten daneben.

Jugendfußball Vorbilder Generationen

Dinge, die bleiben: die Liebe zum Spiel und das ewige Sammelfieber

Vielleicht klingt es etwas platt, aber was die Generationen am Ende am meisten verbindet, ist die Liebe zum Fußballsport. Liegt das eigene Team hinten, graben sich generationenübergreifend die Fingernägel in unsere Couch und wenn das entscheidende Tor in der Nachspielzeit fällt, liegen sich alle in den Armen. Ach ja, und da gibt es noch etwas, was bei uns wie Kitt zwischen den Generationen wirkt: Immer, wenn es das Fußballbilder-Sammelalbum zur neuen Saison gibt, bricht bei uns das absolute Sammelfieber aus und unser Wohnzimmer mutiert zur Tauschbörse. Fußball-Sammelbilder gab es sogar schon zu Opas Zeiten und wenn der seine alten Alben herauskramt, dann glänzen sogar die Augen seines Enkels anerkennend. Vielleicht hat sich in den letzten Jahrzehnten also doch gar nicht so viel geändert...