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Kinderfußball: Wenn die Angst dem Kicken im Weg steht

Kinderfußball: Wenn die Angst dem Kicken im Weg steht

Blogbeitrag von
Michele!

Neulich stand ich mit einer guten Freundin am Fußballplatz unseres Heimatvereins. Gespannt folgten wir dem Geschehen auf dem Rasen, als sie plötzlich rief: „Zu Hause im Garten kann mein Kleiner das aber besser!“. Gemeint war ihr Sohn, der wiederholt den Ball an den Gegner verloren hatte. Nicht das erste Mal fielen Äußerungen wie diese, ein echter Klassiker im Kreise der Eltern ist auch die Frage, warum Sohn oder Tochter nicht die gleiche Leistung wie im Training bringen könne. Die Antwort ist meiner Einschätzung nach häufig, dass die Kids durch verschiedene Ängste gehemmt sind. Doch woran liegt das eigentlich?

Die Angst vorm Zweikampf

Häufig beobachte ich, dass sich die Nachwuchskicker nicht trauen, in den Zweikampf zu gehen, wenn der Gegner einen Kopf größer ist. Dafür habe ich Verständnis, gerade in jüngerem Alter wirkt körperliche Überlegenheit dann doch schon fast übermächtig auf die Kleinen, eine natürliche Schutzreaktion. Bei dem ein oder anderen macht sich aber auch eine generelle Scheu vor körperlichem Kontakt bemerkbar, und dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Einige Mannschaftskameraden meines Sohnes hatten in der Vergangenheit mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen, leider auch schwererer Natur. Dass man aufgrund dieser Erfahrungen nicht auf „Teufel komm raus“ in das nächste Duell mit dem Gegner geht, kann denke ich jeder nachvollziehen. Diese Angst vor Verletzungen, so ist es jedenfalls in unserer Mannschaft, entsteht bei den Jungs aber in der Regel erst, nachdem es zu einer Blessur gekommen ist. Bis dahin spielen die meisten getreu dem Motto „Kopf durch die Wand“, was auf Dauer natürlich auch nicht der richtige Weg sein kann.

AngstZweikampfDruck

Bloß keine Fehler machen?

Kürzlich berichtete mir ein befreundeter Jugendtrainer, dass ein Nachwuchskicker seiner Mannschaft im Bus auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel sagte, dass er hoffe, dass das Spiel doch noch aufgrund des schlechten Wetters ausfällt. Dies wiederholte er einige Male, bis sich die beiden unter vier Augen über die wahren Gründe seiner Hoffnung auf die Spielabsage unterhielten: Der Kleine hatte das Gefühl, er sei nicht mehr gut genug und eine mögliche Niederlage könnte an seiner Leistung festgemacht werden. Dabei handelte es sich bei dem Jungen um einen absoluten Leistungsträger der Mannschaft! Als Trainer war es nun die Aufgabe, dem Kleinen wieder Mut zuzusprechen, ihn für seine Leistungen zu loben und sein Selbstvertrauen zu stärken. Gar nicht so einfach, denn jedes Kind hat unterschiedliche Sorgen und Probleme. Glücklicherweise gelang es ihm aber, ihn von seinen eigenen Fähigkeiten zu überzeugen und ihn zu ermutigen, dass auch Fehler zur Entwicklung dazugehören.

Erwartungshaltung und Druck

Auslöser dieser Situationen sind nicht selten Einflüsse von außen: Die Kids haben Angst zu versagen, Angst, die Zuschauer, die Eltern, die Mannschaftskameraden oder die Trainer zu enttäuschen. Das muss gar nicht daran liegen, dass eine bestimmte Erwartungshaltung kommuniziert wird. Als der Großvater meines Sohnes, seines Zeichens sein treuester Fan, wie so oft zur Unterstützung seines Schützlings beim Spiel vor Ort war, funktionierte auf dem Platz plötzlich gar nichts mehr bei meinem Sohn. Er sagte im Anschluss sehr enttäuscht: „Ich bin nicht ins Spiel gekommen, was denkt der Opa jetzt wohl über mich?“. Dabei ist er auch immer sein größter Förderer und steht ihm stets mit Rat und Tat zur Seite.

Den Kids den Rücken stärken

Sowohl auf als auch neben dem Platz gibt es verschiedene Möglichkeiten der Vorbeugung beziehungsweise im Umgang mit dem Thema Angst. Das A und O ist meiner Meinung nach die Kommunikation, sowohl durch die Eltern, als auch durch die Trainer und alle weiteren Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen: Nur durch das gemeinsame Sprechen können Probleme gelöst werden.

Auch im Trainingsbetrieb kann man an einigen Stellschrauben drehen: So empfahl mir ein Trainer aus dem Bekanntenkreis, den Schwerpunkt der Schulung auf die Zweikampfführung zu legen. Auch kann ein Besuch eines Kletterparks als Mannschaftsausflug und Teambuildingmaßnahme helfen, Ängste und Hemmungen abzubauen.

Angst hat die unterschiedlichsten Ursachen und Auslöser. Ich als Mutter bin selbstverständlich immer als Ansprechpartnerin da und nehme mir viel Zeit. Wichtig ist, die Sorgen der Kleinen ernst zu nehmen und zu fragen, was sie bedrückt. Dann ist eine Lösung meist nicht weit.