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Stollenhelden-Blog

Kinderfußball zwischen Freizeit-Spaß und Kicker-Karriere

Kinderfußball zwischen Freizeit-Spaß und Kicker-Karriere

Blogbeitrag von
Michele!

Der Kinderfußball sorgt in unserer Familie für einen positiven Ausgleich zur Schule, sinnvolle Freizeitgestaltung und vor allem für eine Menge Spaß. Es war nie unser Ziel, die Fußballausbildung unseres Sohns auf Teufel komm raus zu optimieren. Meinem Mann und mir geht es beim Leben im Fußballverein vor allem um die Gemeinschaft und das Sozialverhalten und erst danach um die fußballerische Ausbildung. Natürlich ist es der größte Berufswunsch unseres E-Juniors, Profi-Fußballer zu werden – das geht sehr wahrscheinlich allen Jungs in seinem Alter so. Er ist auch ein guter Spieler, aber ich bin mir recht sicher, dass sein Talent nicht für eine professionelle Karriere reichen wird. Das finde ich nicht schlimm – ganz im Gegenteil: In der Haut von den Eltern dieser Ausnahmetalente möchte ich gar nicht stecken, denn sie stehen permanent unter Druck. Einerseits möchten sie ihrem Nachwuchs keine Chance verbauen, andererseits soll ihr Kind auch Kind bleiben. Sollen sie sich und den Kids Fußball als Freizeit-Spaß bewahren oder gemeinsam den harten Weg in Richtung Leistungsorientierung einschlagen?

Nachwuchsfußballer haben das Ziel fest im Blick: der Sprung in die Bundesliga.

Die Profi-Welt klopft im Kinderfußball an

Sichtungstage, Probetrainings, Auswahlspiele und Spieler-Datenbanken voller Kinderprofile: Die Welt des Profi-Fußballs kommt uns Fußball-Eltern deutlich früher viel näher als erwartet. Eine befreundete Mutter aus einem Nachbarverein hat mir erzählt, dass bei ihnen kürzlich professionelle Scouts die F-Jugend gesichtet haben – und das bei uns auf dem Land! Sie waren gekommen, um sich ein knapp siebenjähriges Talent anzusehen und Kontakt zu Eltern und Verein aufzunehmen. Auf einem Turnier fiel ihr Sohn auf und zwischen den Spielen kam ein Scout eines Bundesligisten auf sie zu und überreichte ihr seine Visitenkarte. Der Scout lud den Jungen zum Probetraining ein. Als er dort mitmachte, war er der Jüngste. Jetzt ist der Junge eine Runde weiter und muss gleich nochmal zum Probetraining antreten. Der Vereinswechsel steht kurz bevor. Solche Geschichten begegnen mir in letzter Zeit immer häufiger. Aus einem anderen Verein habe ich beispielsweise von einer Mutter gehört, die beim Trainer ständig mehr Spielzeit für ihren Sohn einfordert, „um seine sportliche Entwicklung nicht zu hemmen“.

Vom Kind zum Profi: Wie früh ist zu früh?

Wenn ich so etwas höre, habe ich gemischte Gefühle: Wann ist es für Kinder zu früh, in ein von Leistung, Konkurrenz und Druck geprägtes System einzutauchen? Wann ist es für sie zu spät, um noch den Weg in den Leistungssport zu finden? Und selbst wenn es bei den F-Jugendlichen nur um „Bewegungstalent“ und noch nicht umtaktische Fähigkeiten geht – ist es überhaupt möglich, die späteren Fähigkeiten eines Nachwuchskickers so früh vorherzusagen? Egal, wie stark ein Bambini auf dem Platz agiert, es ist sehr unwahrscheinlich, dass er eines Tages als Profi spielt. Das bestätigt auch eine Zahl, die mir mein Mann zugeworfen hat: 99,97 Prozent aller Fußballer in Deutschland sind keine Profis.

Das Ziel klar im Blick: eines Tages in der Bundesliga spielen! Foto: RossiPhotography

Druck von Scouts und Spielerberatern

Ich bin hin- und hergerissen und froh, dass ich diese Fragen nur theoretisch beantworten muss. Die Eltern eines Talents müssen dagegen gemeinsam mit ihrem Kind schon weitreichende Entscheidungen über seinen weiteren Lebensweg treffen, bevor es auf eine weiterführende Schule wechselt – und meist ohne genau zu wissen, worauf sie sich einlassen. Einfach abzuwarten, ist keine Option. Zu groß ist der Druck, den interessierte Scouts, Berater und Vereine auf sie ausüben. Sie wissen genau, welche Knöpfe sie drücken müssen: Schließlich möchte sich keine Mutter und kein Vater irgendwann nachsagen lassen, sie oder er habe einer möglichen Fußballer-Karriere des eigenen Kinds im Wege gestanden. Auch die Kinder spüren diesen Leistungsdruck bereits und dann können auch schon mal Tränen fließen, wenn zum Beispiel nur der Bruder oder Freund zur Sichtung eingeladen oder die nächste Runde beim Probetraining nicht erreicht wurde.

Ich finde es teilweise beängstigend, wie die Kids von Fremden umgarnt werden. Man kann in diesem Alter doch nichts Seriöses sagen, geschweige denn Prognosen abgeben. Alles entscheidet sich letztlich im Übergang zu den Senioren. Bis dahin – und eigentlich auch noch danach – kann eine Menge passieren. Verletzungen, Wechselbänke, Ausmusterungen – und schon zerplatzen die Versprechungen wie Seifenblasen. Andererseits bereut man nur Dinge, die man nicht getan hat. So lernt man beim Fußball auch fürs Leben.

Wem können Eltern vertrauen? Wie verhalten sie sich richtig, wenn ihr Kind das Angebot bekommt, in einen leistungsorientierten Verein zu wechseln? Ich glaube, die eine Musterlösung für diese Situation kann es nicht geben. Ich bin mir sicher: Würde sich meinem Sohn die Chance auf den Lebenstraum „Fußball-Profi“ bieten, würde er sie nutzen wollen. Und ich würde ihn darin unterstützen – aber nicht um jeden Preis. Kinder und Jugendliche entdecken ihre Leidenschaft für den Fußball aus Spielfreude und Leichtigkeit. Es liegt an uns Eltern, ihnen diesen Spaß am Fußball zu bewahren. Am wichtigsten ist, dass die Kinder auch Kinder sein können – ganz egal, ob im Dorfverein oder im Nachwuchsleistungszentrum eines Bundesligisten.