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Stollenhelden-Blog

Ohne Enttäuschungen, kein Selbstbewusstsein: vom Umgang mit Niederlagen im Kinderfußball

Ohne Enttäuschungen, kein Selbstbewusstsein: vom Umgang mit Niederlagen im Kinderfußball

Blogbeitrag von
Michele!

Kürzlich hat die Mannschaft meines Nachwuchs-Kickers 10:0 auf die Mütze bekommen und alle waren richtig stolz auf unsere Jungs – sogar das gegnerische Team! Ich glaube fest daran, dass unsere Kinder an Niederlagen wachsen – sportlich, emotional und charakterlich – und was uns diesen Sommer passiert ist, ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

Enttäuschungen gehören dazu? Nicht für jeden.

Unsere D-Junioren sind diese Saison angetreten, um sich für die Leistungsklasse zu qualifizieren. Unter den Gegnern befand sich auch ein haushoher Favorit auf den ersten Platz. Das bedeutet: In der Regel geht es nicht darum, dass man gegen sie verliert, sondern nur wie hoch. Einige Vereine haben sich daher kurzerhand entschlossen, erst gar nicht gegen den Favoriten anzutreten, sondern die Partie am „grünen Tisch“ mit 0:2 gegen sich werten zu lassen. Das ist in etwa so, als würde Werder Bremen gar nicht erst beim FC Bayern antreten, um sich ein 0:6 abzuholen, sondern lieber gemütlich an der Weser bleiben und ein Wochenende frei machen. Wahnsinn, oder?! Dass man den Kindern so das Gegenteil von Fair Play vorlebt, müssen wir nicht diskutieren, denke ich. Was in meinen Augen aber mindestens genauso schlimm ist: Den „Drückebergern“ bleibt das Erlebnis einer hohen Niederlage verwehrt.

Nicht so unsere Jungs: Sie sind gegen die Favoriten angetreten und haben sich die erwartete Klatsche abgeholt. Unsere D-Jugend hat 10 Tore kassiert und hatte nicht den Hauch einer Chance. Das war natürlich erst einmal kein schönes Gefühl für den ambitionierten Nachwuchs. Auf der anderen Seite haben sie an diesem Tag viel gelernt:

-dass es dazu gehört, auch mal als Verlierer vom Platz (und durchs Leben) zu gehen,

-dass es auch etwas wert ist, sich und seinen Prinzipien treu zu bleiben,

-dass ein Team vor allem in schwierigen Momenten zusammen wächst.

Kinder wachsen an ihren Niederlagen

Die Geschichte hatte gleich zwei „Happy Ends“: Einerseits haben unsere Jungs wenige Spieltage später trotz der hohen Niederlage den Aufstieg klar gemacht. Andererseits gab es nach der Niederlage einen wirklich wunderbaren Moment, in dem alle Nachwuchskicker etwas gelernt haben – nicht für den Fußballplatz, sondern fürs Leben: Die Spieler des siegreichen Teams sind auf unsere Jungs zugegangen und haben sich für ihren Sportsgeist und ihre Fairness bedankt. Als ich gesehen habe, wie die Kinder miteinander umgegangen sind, musste ich ehrlich gesagt kurz schlucken, so schön war das.

Selbstbewusste Kinder: die Anstrengung loben

Natürlich hält der Kinderfußball immer mal wieder Enttäuschungen für die jungen Kicker bereit: Bei Niederlagen hilft es unserem D-Junioren meist wenig, wenn ich ihm gut zurede. Dann muss der Opa ran: Der ist ein treuer, kritischer und sachkundiger Fan seines Enkels und wenn er meinen Junior mit einem rheinländischem „Kopf hoch, Jung!“ aufbaut, sieht die Welt meistens schon ganz anders aus.

Oft habe ich ohnehin den Eindruck, dass wir Eltern an den Niederlagen unserer Kinder schwerer tragen als sie selbst. Dabei liegt es doch gerade an uns, ihnen zu zeigen, dass beim Kinder- und Jugendfußball der Spaß am Spiel immer vorm Siegeswillen stehen sollte. Dass es für Kinder wichtig ist, ein gesundes Verhältnis zum eigenen Scheitern und zu Niederlagen zu bekommen, sagt einem übrigens nicht nur der gesunde Mütterverstand, sondern das weiß auch die Wissenschaft. Wie unsere Kinder mit Frustration und Fehlschlägen umgehen, können wir laut Psychologen vor allem damit beeinflussen, wie wir uns bei Erfolgen verhalten: Gewinnen unsere Nachwuchskicker, können wir entweder betonen, was für gute Fußballer sie sind oder aber wir loben sie für ihre Anstrengung. Wer lernt, dass sein Einsatz honoriert wird, lässt sich auch von einem Rückschlag nicht so leicht unterkriegen. Und dass unsere Kinder auch und gerade durch den Fußball ihr Selbstbewusstsein stärken, ist doch im Sinne aller Eltern.