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Stollenhelden-Blog

Ohne Mama und Papa geht es nicht: Das Ehrenamt im Kinderfußball

Ohne Mama und Papa geht es nicht: Das Ehrenamt im Kinderfußball

Blogbeitrag von
Michele!

Wenn mich der Kinderfußball eins gelehrt hat, dann ist es Kuchen zu backen. Egal, ob für die Auswärtsfahrt, das Nachwuchsturnier oder den Kuchenverkauf im Seniorenheim zur Aufbesserung der Mannschaftskasse – Gebäck aus Mutters Ofen ist bei den Nachwuchskickern immer gerne gesehen. Ich will auch nicht behaupten, dass ich viele Kindertrikots wasche, aber kennen Sie diese Waschmittelwerbung mit der ewig langen Wäscheleine? Die wurde bei uns im Garten gedreht. Grillen beim Sportfest, Losverkauf bei der Weihnachtsfeier und Fahrdienst zum Auswärtsspiel – der Kinderfußball verlangt nicht nur von unserem Nachwuchs vollen Einsatz, sondern auch von uns Eltern. Ohne ehrenamtliches Engagement gäbe es keinen Amateurfußball und ich finde es großartig, wie selbstverständlich sich die allermeisten Eltern im Verein und darüber hinaus engagieren.

Ohne Passion fürs Ehrenamt geht es nicht

Freiwilliges Engagement ist von Eltern ja nicht nur im Fußballverein gefragt, sondern in zig Lebensbereichen der Kinder: In der Schule bin ich beispielsweise als Lese- und Computer-Mama unterwegs. Für mich ist das Ehrenamt eine Herzensangelegenheit und eine Frage der Identifikation mit den Aktivitäten meiner Kinder. Toll ist, dass es den allermeisten Eltern ganz genauso geht: Bei uns im Verein werden die jeweiligen Jobs und Zuständigkeiten über diverse Listen organisiert und die füllen sich meist recht schnell. Kaum jemand hat das Gefühl, dass die Lasten, die der Nachwuchsfußball mit sich bringt, immer an den gleichen hängen bleiben. Ausnahmen gibt es natürlich auch, das will ich nicht verschweigen: Bei einem unserer letzten Turniere quittierte beispielsweise eine Mutter ihren Dienst am Kuchenstand mit der Begründung, dass ihr Sohn ja schließlich spielen würde und sie dort zusehen müsse. Kann man so machen, muss man aber nicht. Die anderen Mütter machten auf jeden Fall erst mal große Augen. Das sind aber wirklich absolute Einzelfälle. Bei vielen geht die Identifikation mit dem Hobby ihrer Kinder sogar so weit, dass sie Arbeit mit nach Hause nehmen – und damit meine ich nicht nur einen Satz verdreckter Kindertrikots.

Vereinsführung, Trainer, Platzwart & Co. – Ehre statt Amt?

Etwas konfliktreicher kann da schon mal das Engagement meines Mannes werden, der als Jugendtrainer unsere D-Jugend betreut. Wir Mütter engagieren uns ja meist vollkommen freiwillig und außerhalb der institutionalisierten Vereinsstrukturen rund um den Jugendfußball. Das sieht bei den „offiziellen“ Ehrenamtsträgern natürlich etwas anders aus. Ohne das Engagement zahlreicher Eltern wäre an einen Spielbetrieb in unserer Jugendabteilung gar nicht zu denken. Einerseits gäbe es gar nicht genug externe Trainer, andererseits könnte sie keiner bezahlen. Insgesamt engagieren sich in Deutschland 1,7 Millionen Menschen ehrenamtlich im Amateurfußball. Dass sie damit die „Seele“ und das „Rückgrat des Fußballs“ bilden, hat auch der DFB erkannt und unterstützt die Engagierten schon seit 1997 mit der „Aktion Ehrenamt“: „Es ist eine Ehre, kein Amt“, titelt der DFB für seine Kampagne. Den Satz würde mein Mann so unterschreiben – meistens zumindest.

Sich neben dem Job noch als Trainer zu engagieren geht weit darüber hinaus, was die meisten als Hobby bezeichnen – selbst wenn wir „nur“ von einer D-Jugend sprechen. Training, Spiele, Mannschafts- und Vereinsorganisation fressen eine Menge Zeit – und manchmal auch Nerven. Wenn Eltern in eigens dafür eingerichteten WhatsApp-Gruppen über den Trainer lästern, weil ihr Kleiner mal ein Spiel auf der Bank sitzen musste oder nach einer Niederlage die Trainingsmethoden in Frage gestellt werden, fragt sich mein Mann schon manchmal: „Warum mache ich das eigentlich?“ In diesen Momenten fehlt ihm die Wertschätzung – und offensichtlich steht er damit nicht ganz alleine da:

Was das Ehrenamt antreibt: Kinderlachen

Andersherum geht es auch, wie wir vor ein paar Wochen wieder einmal erfahren durften: Wir hatten über Jahre einen Jungen im Team, bei dem sich schon früh andeutete, dass Fußball vielleicht nicht das richtige Hobby für ihn ist. Als er nun wirklich Mannschaft und Verein verlassen hat, erreichte meinen Mann kurze Zeit später eine Karte, die sogar harten Fußballmännern die Rührung ins Gesicht treibt. Die Eltern bedankten sich dafür, dass er immer versucht hatte, das Kind bestmöglich zu fördern.

Wenn die Nachwuchskicker gemeinsam lachend über den Platz stiefeln, weiß jeder Engagierte ohnehin, warum sich der ganze Aufwand lohnt. Die Kinder sind glücklich, ohne Ehrenamt wäre das einfach nicht zu machen und diese Erkenntnis ist Motivation pur!