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Stollenhelden-Blog

Schlechte Stimmung: Über die Schattenseiten eines Aufstiegs im Jugendfußball

Schlechte Stimmung: Über die Schattenseiten eines Aufstiegs im Jugendfußball

Blogbeitrag von
Michele!

In der letzten Saison hat sich die Mannschaft meines Sohnes mit meinem Mann als Trainer für die Leistungsklasse qualifiziert. Ein toller Erfolg, gerade weil unser Heimatverein sehr klein ist und laut Vorstand die Qualifikation in dieser Altersklasse bis dato nur ein einziges Mal geschafft wurde. Die Jungs haben kräftig gefeiert und sind mit viel Motivation, Aufregung und mit breiter Brust in die Saison gestartet. Nach der Euphorie folgten dann aber die ersten Stolpersteine.

Wenn aus Ehrgeiz Missgunst wird

Zunächst gab es das Problem, dass das Team aufgrund der großen Kaderstärke von 25 Jungs aufgeteilt werden musste, und natürlich alle gern in der "besseren" Mannschaft spielen wollten. Zwangsläufig kam es zu vielen Diskussionen, Konflikten und langen Gesichtern, auch auf Seiten der Eltern. Es mussten einige harte Entscheidungen getroffen werden, und ganz ohne Enttäuschungen lässt sich eine solche Situation nicht lösen. Auch kam es zu Streitereien untereinander: Einige Jungs, die in der letzten Saison noch dicke Kumpels waren, konnten sich plötzlich nicht mehr ausstehen. Ehrlich gesagt finde ich es furchtbar, wenn plötzlich Neid und Missgunst zwischen den Freundschaften stehen! Sebastian Sponbrucker Kinderfußball Eltern Trainer Austieg Stimmung Streit

Tristesse trotz Anerkennung

Nachdem alle Positionen und Mannschaften eingeteilt waren, ging die Saison los, und das (zumindest sportlich) gar nicht schlecht. Zwar mit Niederlagen, aber mit toller Mannschaftsleistung und Kampf. Die Kinder konnten wirklich stolz sein, spielten sie doch gegen größere Vereine und schlugen sich durchaus beachtlich. Häufig verlor man die Spiele nur sehr knapp und gestaltete die Duelle lange ausgeglichen. Sowohl Trainer als auch "Fans" und Umfeld fanden stets lobende Worte und würdigten die tollen Auftritte. Nachdem die Stimmung zunächst noch gut war, änderte sich das Klima in der Mannschaft nach einigen Niederlagen aber doch zum Negativen: Da kann die Leistung noch so gut sein, ohne Erfolgserlebnisse in Form von Siegen ist kein Fußballer glücklich. Da halfen auch die fairen Gesten der gegnerischen Mannschaften nicht. Einige ihrer Spieler kamen nach den Spielen zu unserer Mannschaft drückten ihre Anerkennung aus. Ein kleiner Club im ersten Jahr in der Liga, der sich so stark präsentierte: Das hatte es zuvor nicht so oft gegeben. Am Ende überwog aber der Frust. Die Trainingsbeteiligung wurde weniger, es gab Absagen, manchmal auch sehr kurzfristige und unerklärliche. Der Ton unter den Kids wurde rauer und man schob sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe für vergebene Chancen oder Gegentore. Sebastian Sponbrucker Kinderfußball Eltern Trainer Austieg Stimmung Streit

Deftige Pleiten und Unzufriedenheit

Erste Eltern äußerten, dass die Kinder "keine Lust" mehr hätten, Schulstress, beginnende Pubertät und Null-Bock-Phasen seien schuld, aber auch die ständigen Niederlagen. Bedauernswerterweise kam es sogar schon zu Abmeldungen aus dem Verein. Laut dem Vereinsvorstand seien Abmeldungen in dieser Altersklasse keine Seltenheit, aber in dieser Anzahl traf es die Mannschaft schon sehr hart. Nach einer 12:0-Klatsche am vergangenen Wochenende war die Krise dann perfekt, und spätestens jetzt auch bei meinem Mann in seiner Funktion als Trainer angekommen! Er war zwar die ganze Zeit über realistisch und wusste, dass die Aufgabe alles andere als einfach für ihn wird, aber er hatte gehofft, dass die Kinder in dieser Liga viel lernen und stolz sind dort zu spielen. Leider ist dieser Effekt bislang nur bedingt eingetreten.

Erfolg ist nicht alles!

Mein Sohn hat glücklicherweise nach wie vor Spaß, trotz allem, und liebt den Fußball wie am ersten Tag. Meine Aufgabe ist es aber natürlich trotzdem hin und wieder zu trösten, wenn es eine Niederlage gesetzt hat. Ich bin jedoch froh, dass ich noch keine Grundsatzdiskussion darüber führen musste, ob er weiter Fußballspielen möchte, oder nicht. Ich würde mir wünschen, dass mehr Eltern ihre Kinder unterstützen und ermutigen, im Verein zu bleiben. Eine Saison zu Ende zu bringen, auch wenn es mal nicht läuft, standhaft zu bleiben und Krisen zu überstehen. Denn ich finde, man kann nicht immer nur im Erfolg schwimmen, so ist es auf und neben dem Fußballplatz. Nach Regen kommt gewöhnlich auch wieder Sonnenschein. Ich bin mir sicher, dass dies auch für unsere D-Jugend gilt.