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Stollenhelden-Blog

Selbstständige Nachwuchsfußballer? Zwischen Erziehung und Überbehütung

Selbstständige Nachwuchsfußballer? Zwischen Erziehung und Überbehütung

Blogbeitrag von
Michele!

An Abenden vor den Trainingstagen ist bei uns zu Hause immer große Aufregung angesagt, und auch meine Unterstützung ist gefragt. Es muss schließlich alles vorbereitet sein, bevor es zur nächsten Übungseinheit mit der Truppe geht: Die schmutzigen Fußballklamotten müssen gewaschen werden, die Schuhe zum Kicken werden geputzt und wenn alles blitzeblank ist, wird die Sporttasche gepackt. Ganz wichtig ist dann noch die Planung der Anfahrt. Unser kleiner D-Junior hat da einen bequemen Stand, wird er von zu Hause von Papa, der gleichzeitig sein Trainer ist, mit dem Auto zum Training kutschiert. Des Öfteren stelle ich mir in letzter Zeit die Frage, ob manchmal nicht doch ein wenig mehr Selbstständigkeit erwartet werden kann. Wann ist es an der Zeit, sich als Elternteil zurückzuhalten? Ein Spagat zwischen „erstmal machen lassen“, drohendem Chaos und Überbehütung. SelbstbewusstseinKinderfußballSelbstständigkeitErziehung

Eigenständige Organisation ist gefragt!

Ich glaube, dass mein Sohn gerade auf dem Weg ist, seinen eigenen Weg zu gehen. Natürlich weiß er, dass er sich stets auf uns als Eltern verlassen kann und glücklicherweise sind wir als treue Fans und Unterstützer nach wie vor gerne gesehen. Immer häufiger fährt er aber mit dem Bus oder mit dem Fahrrad zum Training, insbesondere dann, wenn er sich nach der Schule mit Mannschaftskameraden trifft. Ich muss gestehen, dass ich dann schon immer sehr erleichtert bin, wenn er wieder da ist. Diese Sorge ist glaube ich ganz normal, aber ich will ihm auch nicht auf Schritt und Tritt folgen. Schließlich soll er ja seine eigenen Erfahrungen machen!

Auch hat er stets im Blick, an welchen Tagen Training und Spiele stattfinden, lädt den Fanclub um Oma und Opa persönlich zu Turnieren ein und erledigt seine Hausaufgaben für die Schule rechtzeitig – wenn es sein muss auch schon mal weit im Voraus, um entspannt Fußballspielen zu können. Die Regel „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ scheint also bei ihm angekommen zu sein. Das gilt inzwischen übrigens auch beim Thema Schuhe selbstständig putzen. Nach dem Packen der Sporttasche checke ich als Mama aber noch, ob er an alles gedacht hat. Wichtig ist auch, ihn nach dem Training daran zu erinnern, die Tasche doch bitte auszuräumen. Sonst wartet eine stinkende Überraschung im Kinderzimmer… SelbstbewusstseinKinderfußballSelbstständigkeitErziehung

Verantwortung übernehmen – auf und neben dem Platz

Auf dem Fußballplatz angekommen, zeigt sich dann auch an einigen Stellen, dass das Thema Selbstständigkeit stets präsent ist. Die Kids werden speziell während eines Spiels sowohl mit den Anweisungen des Trainers, aber auch mit den Rufen der Eltern am Spielfeldrand konfrontiert. Nicht selten macht sich dadurch eine gewisse Verunsicherung und Überforderung auf dem Platz bemerkbar, und ich bin der Meinung, dass eine gesunde Portion Zurückhaltung den Kindern sicher nicht schaden kann. So sind die Kicker durchaus schon in der Lage, selbst auf dem Feld zu entscheiden, wer die nächste Ecke oder den Freistoß ausführen soll. Das stärkt das eigene Verantwortungsbewusstsein, und sollte etwas nicht ganz optimal laufen, kann man auch in der Kabine darüber sprechen. Schließlich sind Fehler wichtig, um daraus zu lernen! Ganz ohne Vorgaben geht es natürlich auch nicht: Wenn eine Auswechslung zum wiederholten Male zu lange dauert und sich einige Spieler nicht an die Duschpflicht halten, sollte man auch die richtigen Worte als Trainer oder Elternteil finden.

Der Fußball als Schule für das Leben

Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass sich mein Sohn an definierte Regeln hält, sich in diesem Rahmen aber auch ausleben kann. Ich glaube, dass sein Fußballverein der ideale Ort ist, genau diesen Spagat in der Gemeinschaft zu lernen. Wenn es zu Konflikten oder Meinungsverschiedenheiten mit Mitspielern oder Gegnern kommt, soll er versuchen, alleine eine Lösung zu finden, ohne sofort zu Mama und Papa zu kommen. Das lässt ihn nicht nur zu einem selbstbewussten und meinungsstarken Teamspieler reifen, sondern fördert auch seine Fähigkeiten und Sozialkompetenzen abseits des Fußballplatzes in der Gesellschaft.