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Stollenhelden-Blog

Transfergerüchte: Über Vereinswechsel im Kinderfußball

Transfergerüchte: Über Vereinswechsel im Kinderfußball

Blogbeitrag von
Michele!

Nicht nur im Profifußball sorgt jede Transferperiode für die wildesten Spekulationen und kuriosen Geschichten rund um kaputte Faxgeräte, verwechselte Namen und verpasste Fristen. Im letzten Sommer kam die Wechsel-Gerüchteküche sogar in der Mannschaft meines Nachwuchskickers an. Vereinswechsel sind mittlerweile auch im Kinder- und Jugendfußball an der Tagesordnung: Leistungsunterschiede, der Wunsch, mit Freunden zusammenzuspielen und Wohnortwechsel sind dabei wohl die häufigsten Gründe. Gelernt haben wir bei den letzten Transfers vor allem eins: Wie bei den Profis kommt es auch bei den jungen Amateuren nicht darauf an, ob ein Spieler den Verein wechselt, sondern wie.

Geheimverhandlungen und enttäuschte Teamkameraden

Wie es nicht geht, mussten wir in der Wechselphase im letzten Sommer erfahren, als ein Freund meines Sohns unseren Verein verließ: Leider sprachen weder die Eltern noch der Junge im Vorfeld mit den Mannschaftskollegen oder dem Trainer. Das Team erfuhr von einem Dritten von der heimlichen Teilnahme am Probetraining beim neuen Club – und das war ausgerechnet auch noch einer der schärfsten Lokalrivalen. Ohne sich bei uns abzumelden, war er beim aufnehmenden Verein schon ins Training eingestiegen. Offiziell hieß es später, die neuen Trainingszeiten würden ihm besser passen, aber das kauften ihm seine ehemaligen Teamkameraden aufgrund seiner Geheimniskrämerei natürlich nicht mehr ab. Stattdessen entstanden aus der Enttäuschung schnell Fragen und Gerüchte: „Sind wir ihm nicht mehr gut genug? Will er mit uns nichts mehr zu tun haben, weil er coolere Freunde gefunden hat?“ Traurige Folge des ganzen Wechseltheaters: Zu vielen Jungs aus seiner alten Mannschaft ist der Kontakt völlig abgebrochen.

Wechseln, wenn es der Weiterentwicklung des Kinds dient

Dass es auch anders geht, haben wir ebenfalls schon aus nächster Nähe erlebt: Vor gut zwei Jahren hatten wir ein echtes Ausnahmetalent bei uns im Team, der das Zeug dazu hat, es wirklich einmal zum Profi zu bringen. Wenn so ein talentierter Spieler in seiner aktuellen Mannschaft offensichtlich unterfordert ist und alle Beteiligten dazu offen und ehrlich mit der Situation umgehen, ist ein reibungsloser Vereinswechsel der natürliche nächste Schritt. Dementsprechend nahmen seine Mannschaftskameraden dem Jungen nicht übel, dass er zu einem Team in der Leistungsklasse wechselte. Ganz im Gegenteil: Es freuen sich alle mit ihm und sind stolz, dass er es heute schon bis zum 1. FC Köln geschafft hat.

Vereinswechsel im Kinderfußball: eine Frage des Stils – und der Regeln

Für mich käme ein Vereinswechsel nur in Frage, wenn der Nachwuchskicker im neuen Club mehr lernen kann und sich bessere Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Neben dieser sportlichen Perspektive kommt es in meinen Augen vor allem auf Dinge an, die neben dem Platz stattfinden: Können die Jungs mit ihren Freunden spielen? Ist der Verein schnell und selbstständig erreichbar? Herrscht eine angenehme Atmosphäre im Team? Und macht der Trainer einen sympathischen Eindruck?

Lassen sich all‘ diese Fragen mit „ja“ beantworten und wird der Gedanke eines Vereinswechsels konkreter, schließt die wichtigste aller Fragen an: die Frage des Stils. Das wichtigste ist, mit seinen Kumpels offen umzugehen, sollte der Wunsch nach Veränderung aufkommen. Ich finde sogar, dass man die Situation mit den Profis und ihrem Verhältnis zu den Fans vergleichen kann: Denken Sie beispielsweise mal an den Mario Götze-Wechsel vom BVB zum FC Bayern. Ich denke, mit mehr Offenheit und Transparenz hätte auch auf der großen Bühne viel Stress vermieden werden können.

Natürlich gelten auch beim Vereinswechsel im Nachwuchsbereich einige Regeln und Statuten. Die genauen Formalitäten regelt der jeweilige Verband. Was es jedoch grundsätzlich zu beachten gilt, hat der DFB für alle Beteiligten übersichtlich aufgelistet. Und die wichtigste DFB-Empfehlung unterschreibe ich voll und ganz: „Ein respektvoller Umgang hat immer allerhöchste Priorität!“