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Stollenhelden-Blog

Väter als Trainer im Jugendfußball: Kann das gutgehen?

Väter als Trainer im Jugendfußball: Kann das gutgehen?

Blogbeitrag von
Michele!

Väter, die die Mannschaft ihrer eigenen Kinder trainieren, polarisieren. Entweder sehen sie sich mit dem Vorwurf konfrontiert, ihren eigenen Nachwuchs zu bevorzugen oder – das andere Extrem – härter ranzunehmen als alle anderen Spieler. Eine Regel gilt für Klein und Groß: Wir trennen zuhause und „auf dem Platz“. Das ist für alle aber nicht so einfach und Konflikte sind vorprogrammiert. Mein Mann trainiert die Mannschaft unseres Sohns nun schon seit mehreren Jahren. Dass die beiden einer gemeinsamen Leidenschaft nachgehen, für die sie beide brennen, ist toll. Zündstoff gibt es trotzdem reichlich.

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Pro: Der Jugendfußball schweißt Vater und Sohn zusammen

Mein Mann hat schon vor elf Jahren als Bambini-Trainer bei uns im Verein angefangen. Da war mein Sohn gerade mal ein Jahr alt und noch damit beschäftigt, Laufen zu lernen anstatt vors runde Leder zu treten. Sobald er aber mit dem Vereinsfußball angefangen hat, war sein Vater auch sein Trainer – wir kennen es also gar nicht anders. Das Vater-Sohn-Ding ging bei uns ganz schön früh los – mit allen Vor- und Nachteilen. Der größte Vorteil ist auf jeden Fall die gemeinsame Zeit, die die beiden mit ihrem größten Hobby verbringen. Auf diese gemeinsame Leidenschaft bin ich manchmal sogar etwas neidisch. Während ich für Hausaufgaben und Zahnarztbesuche zuständig bin, ist die gemeinsame Zeit von Papa und Sohn echte „Quality Time“. Mein D-Junior genießt sichtlich die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Vaters, wenn die beiden sich mit „ihrem“ Fußball beschäftigen – ganz ohne Geschwister und Mama. Dass sein Vater auch sein Trainer ist, macht ihn in den meisten Momenten stolz. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass es bei uns nie Beschwerden von Mitspielern oder ihren Eltern gab, die glaubten, mein Mann würde seinen Sohn bevorzugen. Ein anderer Vatertrainer in unserem Verein musste sich dagegen ständig gegenüber den anderen Eltern rechtfertigen, warum sein Sohn spielt oder den entscheidenden Elfmeter schießen durfte.

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Contra: Ein Vatertrainer ist nie neutral

Und damit sind wir auch schon bei den Nachteilen der Personalunion aus Vater und Trainer. Mein Mann sorgt sich regelmäßig, dass er unseren Sohn nicht gerecht und objektiv behandeln kann. Entweder macht er sich Gedanken, ob er ihn bevorzugt, zum Beispiel wenn er ihn zum Kapitän macht; oder aber er fürchtet, ihn zu kritisch zu beurteilen. Das klassische Dilemma des Vatertrainers: Er möchte nicht den Eindruck erwecken, das eigene Kind zu bevorteilen und beurteilt es folglich strenger als alle anderen Spieler. Diese fehlende Objektivität bringt eine Menge Konfliktpotenzial mit sich, denn natürlich ist es auch für ein Kind etwas anderes, ob ihn ein Vatertrainer kritisiert oder ein anderer Coach: Unser Sohn findet die Entscheidungen meines Manns natürlich auch manchmal ungerecht und jeder von uns weiß, dass einen Kritik besonders dann hart trifft, wenn sie von einem Menschen kommt, der einem etwas bedeutet. Besonders kompliziert wird es dann, wenn die beiden solche Konflikte auch noch mit nach Hause nehmen. Meistens kommt die Initiative dazu von unserem Nachwuchskicker, der dann nochmal nachhakt, wie Papa seine Trainingsleistung fand oder warum genau dieser oder jener Mannschaftskamerad die Freistöße schießen durfte. Spätestens wenn er beim samstäglichen Frühstück nach der finalen Mannschaftsaufstellung fragt, schreite ich aber ein. Solche Fragen sollen meine Jungs bitte in der Kabine oder auf dem Platz klären – so wie es der Trainer auch mit allen anderen Spielern machen würde.

Vatertrainer, ja oder nein? Jein!

Mein Mann hat schon das ein oder andere Mal mit dem Gedanken gespielt, die Mannschaft abzugeben, damit unser Sohn neutral und objektiv trainiert wird. Durchgezogen hat er es aber nicht, da bei allen Schwierigkeiten für uns die Vorteile überwiegen. Die eine Antwort auf die Frage, ob es sinnvoll ist, dass ein Vater sein eigenes Kind trainiert, wird es ohnehin nicht geben. Es kommt – wie so oft im Leben – eben darauf an. Damit die Vatertrainer-Rolle einigermaßen entspannt bleibt, kommt es in meinen Augen darauf an, dass

• das Trainerkind nicht mehr leisten muss als irgendein anderer Spieler,

• der Trainervater aber auch nicht bevorzugt und vor allem, dass

• die Trainer-Rolle an der Haustüre endet.

Was sind eure Erfahrungen mit den Vatertrainern der Nation? Ich freue mich auf Eure Kommentare auf unserer Facebook-Seite!