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Stollenhelden-Blog

Verantwortung: ja, Verheizen: nein –  Kinderaufgaben im Jugendfußball

Verantwortung: ja, Verheizen: nein – Kinderaufgaben im Jugendfußball

Blogbeitrag von
Michele!

Für mich ist der Kinder- und Jugendfußball viel mehr als nur eine sportliche Betätigung: Die Kids nehmen im Verein eine Menge fürs „echte Leben“ mit. Persönlichkeitsbildung ist das Stichwort. Sie lernen beispielsweise ganz konkret, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst, aber auch für eine Gemeinschaft. Damit kann man gar nicht früh genug anfangen, aber wie immer gilt es, das richtige Maß zu finden. Einem Zwölfjährigen Aufgaben innerhalb seiner Mannschaft zu übertragen, ist selbstverständlich, einem Teenager eine eigene Jugendmannschaft anzuvertrauen, ist in meinen Augen schon deutlich schwieriger.

Kinder, die Verantwortung fürs Team übernehmen

Bei uns im Verein ist es üblich, den Kindern schon zeitig einfache Aufgaben für die Mannschaft zuzuteilen. Es ist ja auch nicht zu viel von einem D-Junioren zu verlangt, Jobs wie Ball- oder Ordnungsdienst zu übernehmen. Ganz im Gegenteil: Gerade durch solche Aufgaben lernen sie, Pflichten ernst zu nehmen. Die Selbstständigkeit wird dabei wie von selbst gefördert. Hilfreicher Nebeneffekt: Versäumen sie, ihren Aufgaben nachzukommen, werden sie auch mal von jemand anderem als Mama oder Papa sanktioniert. Auch das kann eine ganz hilfreiche Erfahrung sein. ;-)

Verantwortung Trainer Jugendfußball

Der wichtigste Job innerhalb der Mannschaft ist das Kapitänsamt. Das gilt in der Jugend wie bei den Profis, auch wenn der Job des Mannschaftsführers im Kinderfußball natürlich ein ganz anderer ist als bei den Großen. Die Jugendlichen Kapitäne sind weniger „verlängerter Arm des Trainers“, aber auch ihnen kommen besondere Aufgaben zu – und damit meine ich nicht nur, das Team aufs Feld zu führen und die Seitenwahl vorzunehmen. Die Kapitänsbinde bringt besondere Herausforderungen mit sich, denn nicht für jedes Kind ist es einfach, wenn es als eine Art Vorbild besonders vernünftig sein soll. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass es die Kinder vor allem stolz macht, Mannschaftsführer zu sein – und das fördert enorm das Selbstbewusstsein.

Jugendliche Übungsleiter und Trainer

Viele Vereine haben damit zu kämpfen, Trainer für ihre Nachwuchsmannschaften zu finden. Kein Wunder, dass viele von ihnen auf den eigenen Nachwuchs setzen und ihn schon in jungen Jahren als Übungsleiter, Co-Trainer oder gar als Trainer einsetzen. Ich kenne Vereine, in denen Fünfzehnjährige eine F-Jugend trainieren. Grundsätzlich haben diese „Teenager-Trainer“ eine Menge Vorteile. Sie selbst lernen viel durch ihre verantwortungsvollen Aufgabe und auch die Kinder finden es meistens cool, einen jungen Trainer zu haben. Ich finde jedoch, dass man die Nachwuchs-Coaches nicht zu früh ins kalte Wasser werfen sollte. Es brauch Fingerspitzengefühl und Unterstützung vom Verein, dass die Kinder nicht schnell wieder die Lust verlieren und bei ihrer Arbeit respektiert werden.

Bei uns im Verein ist der jüngste Trainer 17 Jahre alt. Gleichzeitig spielt er selbst im Team meines Mannes bei den Senioren und seine Mannschaftskameraden sagen: „Seitdem der selber eine Mannschaft trainiert, hört der wenigstens mal zu, wenn der Trainer was erklärt!“ Und genau das ist der Punkt, warum auch Kinder und Jugendliche früh Verantwortung übernehmen sollten. Demjenigen, der selber mal auf der anderen Seite stand, fällt der Perspektivwechsel leichter.

Trotzdem gilt es, nichts zu überstürzen. Bei uns werden die jungen Ehrenamtler vom Verein gerne gesehen, aber auch unterstützt und langsam an den Job herangeführt. Sind sie grundsätzlich am Trainerjob interessiert, können sie erst einmal reinschnuppern. Wollen sie dabei bleiben, wird meistens ein Team aus einem erfahrenen Trainer und einem jungen Co-Trainer gebildet. Mein Sohn hatte auch so einen jungen Co-Trainer und das war super: Er war ein richtiger Kumpeltyp, auf Augenhöhe mit den Kindern und er hat vieles nicht so eng gesehen. Die Jungs mochten ihn sehr. Dieser Vorteil war jedoch gleichzeitig auch seine größte Schwäche, denn sobald er mal alleine das Training geleitet hat, haben ihm die Nachwuchs-Kicker nicht genug Respekt entgegen gebracht. Ein Schicksal, das übrigens auch viele jugendliche Schiedsrichter teilen, die Nachwuchs-Partien pfeifen.

Verantwortung Trainer Jugendfußball

Fußball bildet den Charakter – und man kann auch nicht früh genug damit loslegen, Verantwortung zu übernehmen. Trotzdem gilt: Alles zu seiner Zeit! Welche Aufgaben haltet ihr in welchem Alter für angemessen? Und was sind eure Erfahrungen mit jugendlichen Übungsleitern? Wie immer freue ich mich auf eure Kommentare auf unserer Facebook-Seite.