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Stollenhelden-Blog

Vom größten Problem im Jugendfußball: übermotivierte Fußball-Eltern

Vom größten Problem im Jugendfußball: übermotivierte Fußball-Eltern

Blogbeitrag von
Michele!

Nach jeder Aktion ging der erste Blick des Mannschaftskameraden meines Nachwuchskickers zu seinem Vater: „Was sagt Papa?“, fragten unsichere Augen auf der Suche nach Anerkennung. Und wirklich: Der Vater bewertete jeden Pass, jeden Schuss und jedes Dribbling entweder mit einem Daumen nach oben oder nach unten – meistens ging er runter. Spielfreude: Fehlanzeige. Stattdessen regierte der pure Leistungsdruck vom Spielfeldrand. Mich wundert es nicht, dass der Junge angesichts der Kommentare seines Vaters ziemlich früh die Lust am Jugendfußball verloren hat. Leider sind sie immer noch nicht ausgestorben: Die übermotivierten Fußball-Eltern, die jede Aktion ihrer Sprösslinge kritisch kommentieren, die meckern, die schreien – die bisweilen sogar Kinder beschimpfen; die gegnerischen und die eigenen.

„Die fette Sau kann doch eh nichts!“

Mein Sohn spielt auch in der E-Jugend noch nach den Regeln der Fair Play Liga. Das bedeutet eigentlich, dass Eltern und Zuschauer mindestens 15 Meter Abstand zum Spielfeld halten müssen. Die Regel soll bewirken, dass es zwar noch Anfeuerungsrufe gibt, aber keine aggressiven Kommandos, die Kinder ohnehin nicht verarbeiten können, sondern die sie nur verängstigen. In der Praxis klappt das leider nicht immer so gut. Von manchen Orten auf unserer Auswärtstour wissen wir schon aus Erfahrung, dass uns dort Eltern erwarten, die ihre Kinder aufs Äußerste anstacheln und unseren Nachwuchs übel angehen: Ein „Die fette Sau kann doch eh nichts!“ ist dort an der Tagesordnung. Ich habe Situationen erlebt, in denen Eltern der Gegnermannschaft einen unserer Spieler zum Weinen gebracht haben. Traurig, aber wahr.

Sprüche, Schlägereien und Spielabbrüche

Ein Blick in die Medien verrät, dass es vielerorts noch deutlich schlimmer ist: Da wird von Problem-Eltern berichtet, die ihre Kinder zu Fouls animieren, die sich beschimpfen oder gar prügeln – bis hin zum Spielabbruch in der F-Jugend. In England gibt es sogar schon Benimmkurse für verhaltensauffällige Fußball-Eltern – mit Unterstützung von Gary Lineker höchstpersönlich. Handlungsbedarf haben auch schon viele deutsche Vereine und Verbände erkannt. Mit Postkarten und Plakaten mahnen sie Eltern zur Mäßigung. Ein Beispiel ist der Vfl Viktoria Jüchen-Garzweiler. Der Verein wurde im Mai dieses Jahres mit einem Aufsteller berühmt, der Fußball-Eltern folgende Gedanken mit auf den Weg gibt:

Die Lösung: Einfach mal nichts sagen

Die gute Nachricht ist: Dank Fair Play Liga werden die Problem-Eltern immer mehr in den Hintergrund gedrückt. Und es geht auch ganz anders: In der Mannschaft meines E-Junioren haben wir beispielsweise eine sehr nette Elterngemeinschaft, die nicht nur zusammen hält, sondern die sich auch zurück nimmt. So eine Gemeinschaft fängt dann auch den einen oder anderen Übermotivierten schnell ein, wenn er mal über die Stränge schlägt.

Frage ich meinen Mann, der als Trainer das Team unseres Sohns betreut, wie sich die Eltern am Spielfeldrand am besten verhalten sollen, hat er eine eindeutige Antwort: „Am liebsten sind mir die, die ihre Kinder positiv bestärken, sie anfeuern und ihnen Spaß an ihrem Hobby vermitteln. Aus allem anderen sollen sie sich bitte völlig raushalten.“ Kinder brauchen Vorbilder. Und bevor wir Eltern uns darüber aufregen, dass sich die Fußball-Profis daneben benehmen, sollten wir uns erst einmal an die eigene Nase fassen. Unser Fußballnachwuchs verdient unser Interesse und unsere Geduld, aber keinen Druck. Mit übereifrigem Engagement machen wir auf jeden Fall nur eins – uns selbst zum Affen.